Deutscher HipHop – Rap Musik


Buch: Bushido Biographie
September 10, 2008, 6:37
Gespeichert unter: Lifestyle | Schlagworte:

„Ich hatte mal wieder gemerkt, wie verlogen unsere Gesellschaft doch in Wahrheit ist“.
„Noch vor wenigen Wochen war ich der asoziale Proll-Rapper gewesen, der mit seinen schlimmen Texten die Gedanken der Kinder verseuchte. Dann gewinne ich zwei ECHOS und bin plötzlich Everybody’s Darling!“

Aus dem Buch Bushido Biographie

Aus dem Buch Bushido Biographie

Egal ob man ihn liebt oder hasst, eins kann man ihm nicht streitig machen. Bushido hat eine beispiellose Karriere durchgezogen und wahrlich den krassesten Trip vom Bordstein bis zur Skyline hinter sich gebracht. Bis zum heutigen Tag fragt man sich „Wie hat dieser Kerl das nur geschafft?“. Das ist mit Sicherheit einer der Gründe wieso Bushido am 8. September 2008 eine 400 Seiten schwere Biographie veröffentlicht. Doch natürlich wird auch sein damals verhältnismäßig stiller Abgang bei Aggro Berlin thematisiert. Wer also schon immer mal hinter die Kulissen des größten und umstrittensten deutschen Hip Hop Stars blicken wollte, sollte sich dieses Buch auf jeden Fall zulassen. Denn Bushido lässt euch sowas von in seinen Kopf.

„Ich bin mehrfacher Millionär, dabei werde ich dieses Jahr gerade mal 30 Jahre alt“, so Bushido. „Wer kann das schon von sich behaupten? Macht sich so ein Typ noch Sorgen um seine Zukunft? Glaube ich an Schicksal oder ist mein Erfolg nichts als Zufall? Nun, ich denke, die Zeit ist reif für meine Geschichte.“

Doch es gibt nicht nur ernste Geschichten, die das Leben schrieb, sondern dieses Teil hat auch einen besonders hohen Entertainment Faktor. Denn wie ihr sicherlich schon mitbekommen habt, ist Bushido nicht nur mit Geschäftssinn, sondern auch mit einem sehr trockenen und eigenen Humor gesegnet. Obendrein ist diese Biographie super authentisch, da man keinen externen Schriftsteller engagiert hat. Die Autoren waren und sind Bushido selbst und sein PR Manager und rechte Hand Lars Amend.

Ihr wollt mehr lesen? Kein Problem, denn Bushido stellt uns einen exklusiven Ausschnitt seiner Bio aus dem Kapitel „Der Echo 2008″ zur Verfügung:

„An diesem Abend hatte ich mal wieder gemerkt, wie verlogen unsere Gesellschaft doch in Wahrheit ist. Noch vor wenigen Wochen war ich der asoziale Proll-Rapper gewesen, der mit seinen schlimmen Texten die Gedanken der Kinder verseuchte. Dann gewinne ich zwei ECHOS und bin plötzlich Everybody’s Darling, den jeder gern mal anfassen möchte.“

… Gegen sechs Uhr ging dann die Musik aus und wir machten uns auf den Heimweg. Seit langer Zeit war das mal wieder eine Party, auf der ich bis zum Schluss geblieben war. Das will was heißen. Arafat, Kay, Nyze und ich hatten noch Hunger und wir fuhren nach Schöneberg, Köfte essen. Morgens um halb sieben. Ein Hoch auf Berlin!

Ich lag später in meinem Bett noch lange wach. Zu viele Gedanken schwirrten in meinem Kopf umher. An diesem Abend hatte ich mal wieder gemerkt, wie verlogen unsere Gesellschaft doch in Wahrheit ist. Noch vor wenigen Wochen war ich der asoziale Proll-Rapper gewesen, der mit seinen schlimmen Texten die Gedanken der Kinder verseuchte. Dann gewinne ich zwei ECHOS und bin plötzlich Everybody’s Darling, den jeder gern mal anfassen möchte. Das konnte doch alles nicht wahr sein! In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Ich erinnerte mich an die Talkshow 3 nach 9 des Senders Radio Bremen, zu der ich Ende Januar eingeladen worden war. Wie es in solchen Gesprächsrunden üblich ist, erzählte jeder Gast seine Geschichte und alle plauderten friedlich miteinander. Als ich an der Reihe war, hagelte es Kritik von allen Seiten. Ich wäre kein Vorbild für die Jugend, bla bla bla, das übliche langweilige Geschwätz, das ich schon seit Jahren kenne. Nie hatte ich das Gefühl, dass sich diese Menschen wirklich für mich interessierten, es war viel eher so, dass sie verzweifelt versuchten, mich in die Enge zu treiben. Selbst die Moderatorin der Sendung sagte, dass sie meine Texte langweilig finde. »Kennst du einen, kennst du alle«, meinte sie doch tatsächlich zu mir. Das war natürlich ihr gutes Recht, obwohl sie als Journalistin doch eigentlich eine eher neutrale Haltung haben sollte, um den Zuschauern die Möglichkeit zu lassen, sich selbst eine Meinung zu bilden. Im Prinzip finde ich es in Ordnung, wenn die Leute einen Standpunkt haben und dazu auch stehen, aber dann sollen sie bitte nicht nach der Sendung, wenn die Kameras aus sind, zu mir kommen und nach Autogrammen für ihre Kinder fragen. Ohne Worte!

Ich kann es bis heute nicht nachvollziehen, warum so wenige Menschen die Eier haben, zu ihrer Meinung zu stehen, auch öffentlich. Man kann über Dieter Bohlen denken, was man will, aber er ist einer der wenigen, die wirklich sagen, was sie denken. Dafür bekommt er meinen vollsten Respekt. Mal ehrlich: Was interessiert mich die Meinung anderer Leute, die, wenn es hart auf hart kommt, doch einen Dreck auf mich geben? Und wenn mir gewisse Medien attestieren, nach dem ECHO in eine höhere Promi-Liga aufgestiegen zu sein, dann geht das links rein und rechts raus. Wo waren sie denn, als ich wirklich ihre Unterstützung gebraucht hätte? Wo werden sie sein, wenn ich vielleicht eines Tages nicht mehr so viele Platten verkaufe? Garantiert überall, außer bei mir. Nur weil irgendwelche Chefredakteure plötzlich der Meinung sind, dass ich irgendwo angekommen bin, heißt das noch lange nicht, dass ich vergesse, wo ich herkomme und dass ich der nette Gangster-Rapper von nebenan war. Niemals! Ruhm ist so was von vergänglich. Das vergessen die meisten Menschen viel zu schnell. Schon bald werden nämlich genau die Leute, die mich heute angeblich feiern, versuchen, mich öffentlich zu opfern. Deswegen bemühe ich mich erst gar nicht, solche Leute an mich rankommen zu lassen. Udo Kier hatte schon recht, als er bei 3 nach 9 sagte, dass ich in meinen Texten der Gesellschaft doch lediglich den berühmten Spiegel vorhalten würde und man mich nicht für den mangelnden Intellekt der Kritiker verantwortlich machen könne. So sieht’s aus. Drauf geschissen!

Zum Glück fielen mir irgendwann die Augen zu. Trotzdem schlief ich nur wenige Stunden. Um 14 Uhr stand ich auf und zockte den ganzen Samstagnachmittag World of Warcraft. Am Abend ging ich rüber zu meiner Mutter, die mich mit offenen Armen und stolz wie Oscar in die Arme nahm. Mein Bruder kam auch noch dazu. Das war mal wieder einer dieser wenigen schönen Momente im Leben, nach denen ich mich so sehr sehne. Bei all dem Alltag, der mittlerweile bei mir eingekehrt ist, vor allem was Auszeichnungen, Preise, Goldene Schallplatten und diesen ganzen Kram angeht, hat sich meine Mama noch genauso gefreut wie am ersten Tag.

»Mensch, Bub«, sagte sie. »Wenn ich mir überlege, wie das mit dir damals alles angefangen hat. Als noch keiner wusste, was aus dir wird.«

»Ja, Mama. Wer hätte das gedacht?«

»Ich wusste es immer, mein Schatz!«, sagte sie und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Ich schaute meine Mama an, wie sie zufrieden und glücklich mit ihrer alten Lieblingsdecke auf der Couch im Wohnzimmer lag und mich aus vollem Herzen anstrahlte.

»Ach, Mama, das ist schon komisch. Irgendwie bin ich für die Leute da draußen ein Superstar, dabei führen wir doch ein ganz normales Leben. Guck dich doch mal um! Was ist denn daran so besonders?« ,sagte ich mehr zu mir selbst.

Dann stand ich auf, wünschte meiner Mutter eine gute Nacht und ging wieder zu mir. Da saß ich nun, als frisch gebackener zweifacher ECHO-Gewinner 2008 – allein in meiner kleinen Wohnung. Niemand war da. Ich schaute zu dem Glastisch, auf dem sich all meine Preise stapelten: vier ECHOS, zwei MTV Europe Music Awards, ein Goldener BRAVO-Otto, ein Silberner BRAVO-Otto, zwei Goldene Pinguine, ein VIVA-Comet… Manchmal fühle ich mich wie der Hauptdarsteller in meinem eigenen Film. Ich gehe zum ECHO, spiele meine Rolle und am Abend kehre ich zurück in mein wirkliches Leben. Jedenfalls kommt es mir oft so vor. Es ist schon eigenartig, Bushido zu sein …

… Ich hatte endgültig genug. Ich war zwar der Meinung, dass man seine Probleme innerhalb der Familie regeln sollte, aber wenn die Familie nicht mehr zusammenhält, muss man sich eine andere Lösung überlegen. Ich hatte auch immer zu meinem Freund Hamoudi gesagt, dass es mit Aggro Berlin keine Probleme gäbe, weil ich bis zum Schluss an ein gutes Ende glaubte. Doch als ich die zwei Jahre noch einmal gedanklich Revue passieren ließ, verlor ich auch diese Illusion. Hamoudi schlug vor, einmal mit seinem Cousin Arafat zu reden. Vielleicht würde ihm ja etwas einfallen, um beide Seiten an einen Tisch zu bekommen und sich doch noch gütlich zu einigen. Ich willigte ein. Was hatte ich schon zu verlieren?

Hamoudi machte einen Termin mit Arafat und nahm mich am nächsten Tag mit ins Café Al Bustan in die Katzbachstraße 30 nach Kreuzberg. Als kleines Kind war ich oft daran vorbeigegangen, hatte beobachtet, wie diese Männer Wasserpfeife rauchten, ihre Geschäfte machten und immer unter sich blieben. Das Café ist in Berlin eine Legende. Dort kann man nicht einfach hereinspazieren – obwohl, man kann schon, die Frage ist nur, ob man auch wieder herauskommt. Scheiße, war ich aufgeregt.

Wir verabredeten uns für 20 Uhr. Es war Anfang Juni und die Luft war angenehm warm. Als ich das Café betrat, klopfte mein Herz schneller als sonst, aber als ich Hamoudi in der Ecke sah, atmete ich kurz durch und ging auf ihn zu. Neben ihm saß Arafat. Wir gaben uns die Hand. Die Leute neben ihm am Tisch standen auf und setzten sich in die andere Ecke des Raumes. Hamoudi bestellte Tee und ich begann in aller Ausführlichkeit, meine Geschichte zu erzählen – den ganzen Abend lang. Arafat saß da, rauchte Wasserpfeife und stellte permanent Fragen. Er wollte sich eine eindeutige Meinung von der Situation verschaffen. Arafat ist ein sehr fairer Mann. Hätte ich ihm Blödsinn erzählt oder mich in Widersprüche verwickelt, hätte ich zwei, drei Schellen kassiert und wäre in hohem Bogen aus dem Café geflogen.

Als ich mit meinem Vortrag fertig war, klopfte mir Arafat auf die Schulter und sagte, dass es selbstverständlich sei, mir zu helfen. Das wunderte mich zuerst, aber später erkannte ich, wie dieser Mann dachte: Wenn Unrecht passiert, wird geholfen. Dafür musste man nicht direkt zur Familie gehören, es reichte schon, einfach nur korrekt zu sein. Und diese Eigenschaft sah er wohl in mir. Arafat hätte sich der Sache auch nie im Leben angenommen, nur um seinem Cousin Hamoudi einen Gefallen zu tun. Nicht, wenn ich nicht im Recht gewesen wäre. Genau aus diesem Grund, weil Arafat immer fair bleibt, werden er und seine Familie in Berlin auch so respektiert. Außerdem hatte er weder mit mir noch mit Aggro Berlin etwas zu tun. Zu der Zeit war auch noch nicht abzusehen, dass aus Bushido mal ein richtiges Geschäft werden würde. Abgesehen davon, sprach ich dort mit Arafat Abou-Chaker, einem der mächtigsten und berüchtigtsten Männer Berlins, der ganz andere Geschäfte mit ganz anderen Summen am Laufen hatte.

Einige Tage später, am 13. Juni, einem Sonntag, fand im Kreuzberger Stadthaus Böcklerpark der Maxim R.I.P. Memorial Jam statt, eine Party zu Ehren des legendären Berliner Hip-Hop-Aktivisten Maxim. Er war ein sehr guter Freund von mir. Alle waren gekommen: Kool Savas, Harris, Sido, B-Tight, Killerhakan, Fuat, Azra, Bektas, Fu-Man-Schu, Chablive, DJ Derezon, im Prinzip die ganze Berliner Hip-Hop-Szene. Arafat, der Maxim noch aus früheren Tagen kannte, war auch da und fragte mich noch einmal, ob es in der Zwischenzeit Neuigkeiten in der Aggro-Berlin-Sache gäbe. Als ich verneinte, sagte er, dass wir die Angelegenheit morgen ein für alle Mal aus der Welt schaffen würden.

Am nächsten Mittag fuhren wir zu zweit ins Aggro-Büro. Ich klingelte …


3 Kommentare bis jetzt
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Meine Meinung zu Bushidos Buch, aus der Sicht einer Mutter findet ihr auf
http://antwort-auf-bushido.blogspot.com/
lg Lisa-Marie

Kommentar von Lisa-Marie

„Ich klingelte …“ und dan^^?

Kommentar von ShadoxX

Bushido Egal Was Du Machst Du Biist Der Beste ICH LIEBE DICH Abii;)

Kommentar von Berna




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